“Inspirierend.”
Interaktionskunst mit einem Museumsbesucher / Interacting with a museum visitor (Day 2)
Sprich mit einem Dichter (Ask a Poet) i. Antworten zur Weltlage
In the museum (Day 4, 6 and 11)
Performance art and installation: 02.04.2026 - 17.05.2026, Villa Dessauer, Museum for Contemporary Art; for National Association of Artists BBK Oberfranken.
“Schöne Idee. Sieht man nicht alle Tage.
Kurzweilig.”
DEU Für Sprich mit einem Dichter habe ich in der Tradition der Performance Art der 1960er und 70er meine Präsenzzeit als Dichter mit einer Handlungsanweisung als Kunstwerk angeboten. Die Interaktion zwischen Museumsbesucher und Kunstschaffendem wurden so zu einer sozialen Plastik. Meine Literarisierungen und Texte an der Wand wurden zum Archiv menschlicher Begegnungen.
Museumsbesuchenden lesen an der Dichterwand / Museum visitors reading at the poet’s wall (Day 9)
“Diese Minuten hier waren es alleine Wert nach Bamberg zu kommen. Eine schöne unerwartete Begegnung.”
ENG Synopsis of the art work in English
With Ask a Poet, I brought literature and performance together in an interactive 'social sculpture'. I performed performed Sprich mit einem Dichter (Ask a Poet). i. Answers on the current state of the world over 60 hours on 12 days. The submission for the annual exhibition of the BBK Oberfranken (National Association of Artists in North Bavaria) got picked by the judges.
The performance task: You could visit me, the poet, in the museum and talk to me about the current state of the world. I wrote poems, anecdotes, bonmots in response to the museum visitor’s questions on the state of the world, creating an installation of texts, literalising the human encounters.
Hunderts of visitors came to speak to me in my ‘poet’s corner’ in the museum. Over five weeks, I wrote more 100+ responses. (Sample texts below in German.)
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Re: Ein wichtiges Kapitel
Eine kleinere Frau in türkisblauem Anorak dreht sich zu mir um und sagt: Genau, die Menschen können nicht mehr sprechen. Sie schreiben nur noch. Keiner weiß mehr, wie man kommuniziert. Miteinander sprechen, das fehlt.
Sie hält sich noch einige Minuten in meinem Raum auf, beobachtet andere Gäste.
Oder Fotos. Menschen senden nur noch Fotos und sagen gar nichts mehr.
Die Erzählung fehlt, sage ich.
Genau, sagt sie: Keiner erzählt mehr was.
(Und ich denke mir: Deswegen braucht es die Dichter.)
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Ist die Weltlage wirklich bedrohlich oder nehmen wir sie nur so wahr?
Wir erzählen uns etwas und freilich ist das, was wir uns erzählen immer auch eine Erfindung, ein kleiner Ausschnitt (festgehalten) aus einer großen, wogenden Realität. Sie fragen womöglich auch nach unserer ganz eigenen Wahrheit und nach einer distanzierteren, nüchternen?
Ich kann darauf noch sagen: Lassen Sie uns etwas anderes erzählen, gemeinsam, erst einer, dann eine zweite, dann weiter. Lassen Sie uns sprechen von den Straßen, die noch funktionieren und den Wegen, die wir noch gehen können, auch wenn es manchmal weniger werden, zu werden scheinen, lassen Sie uns auch reden von den Schrecken des Krieges und dabei an die Mohnblumen erinnern, die nach Kriegsende, innerhalb weniger Monate wieder auf den Schlachtfeldern blühten. Lassen Sie uns an den Kaffee denken, den wir trinken, und an die Trockenheit der Plantagen. Lassen Sie uns an die Schokolade aus Ghana denken, die wir genießen, direkt vom Erzeuger vermarktet; transportiert mit Treibschoff, der knapper wird, bis der Wind wieder weht oder die Sonne wieder scheint. Lassen Sie uns viele Geschichten erzählen. Gemeinsam. Veränderlich. Dauernd, in den Wogen der Weltlage.
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Wie schließst man ab?
So viele Fragen noch, so viel Notizen So wenig Stunden nur noch auf der Uhr So viele Stunden, hier schon zu sitzen, so viele Wege schon zu geh'n in der Spur
Wo viele Orte, sind viele Schneisen Wo viele Zelte, ist wenig Ruh Wo ich noch sein werde, wird man mir weisen auf höre Ich und auf höre Du
Fragen nach großen und kleinen Weltlagen Fragen auf Karten, Zetteln und mehr Fragen, die als Refrain durch Räume geistern Fragen vergessen, Fragen sind leer Augen nun zu
Ein Gedicht noch zu machen, von einer Begegnung, die zum Verbraucherschutz rät, eine Antwort zu schreiben, quasi als Segnung für einen Referenten von der Christianität
Einem Kind noch Freude zu schicken, einen Dino zu verwandeln ins Wort, einem, der zu Kafka Urteile wollte, send ich 'nen Kartengruß an fremden Port
Girls Trip aus München noch nicht verwurschtelt, finde aber, gehört schon hierher, und die Stunden sie laufen und laufen und laufen und hinter den Stunden kein Meer Ewigkeit gibt es für kurze Momente Weitergehen wird es: irgendwie
Wie schließst man ab, frage ich mich Wie schließst man ab also?, frage ich Sie...
Before and after (Day 1 / Day 12): Dichter umgegeben von seinen Texten / Poet surrounded by his texts
Klicken Sie auf die Fragen für weitere Antworten von einem Dichter.
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Nehmen Sie das Schwierige, das Unerfreuliche, das Schmerzliche wahr, aber erzählen Sie vom Schönen, Wahren, Guten.
(Tag 11)
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Wie sagt man jemandem, dass man ihn mag.
(Tag 12)
Teil der Performance im Museum: Text für Text an die Wand hämmern / Part of the performance: Hammering text after text to the wall (Day 6)
“Eine junge Frau las und sagte dann:
’Das ist echt ganz gut, was da steht.’
Ich sagte: Danke.”
Fotos: BBK Oberfranken; privat.
